Eine Gruppe von Bauern ist auf eine Hauswand im Memmingen projiziert.
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Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig

Auf den Spuren der Rebellen: 500 Jahre Bauernkrieg im Allgäu

Als der Geist der Freiheit das Allgäu erfasst hat und tausendfach erwidert wurde: Die Verschriftlichung der Zwölf Artikel in Memmingen gilt als erste Menschenrechtserklärung in Europa. Wir führen dich zu den Originalschauplätzen und lassen dich am Streben nach Freiheit teilhaben.

    Nur vier Monate dauerte der Bauernkrieg. Er hat jedoch Spuren hinterlassen, die heute das Fundament unserer Demokratie bilden. Im heutigen Allgäu wurden unter anderem die Feldherren Truchsess Georg aus Waldburg und Georg von Frundsberg aus Mindelheim vom Schwäbischen Bund eingesetzt, die rebellierenden Bauernheere oder anders gesagt, den Volksaufstand, zu bekämpfen. Die Feldherren zogen ihre blutige Spur durch Südwestdeutschland, Thüringen und Tirol, den Elsass, die Schweiz und Sachsen-Anhalt.  Auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands endete der Bauernkrieg weitgehend nahe Kempten im Allgäu.

    Im Allgäu sind einige Originalschauplätze seit 500 Jahren unverändert und öffnen so ein Fenster in die Vergangenheit. An historischen Orten stehen seit dem Gedenkjahr 2025 Erinnerungstafeln.

    „Den Bauernkrieg von 1525 hätte es in dieser Art ohne die Zwölf Artikel nicht gegeben.“

    Historiker Peter Blickle

    Die Zwölf Artikel – Memmingen

    Am 6. März 1525 wurden in Memmingen die Zwölf Artikel verfasst. Binnen zwei Monaten werden sie in 15 Städten in einer Auflage von rund 25.000 gedruckt und in Umlauf gebracht. Das neue Massenmedium Flugschrift wirkt, die Idee der Menschenrechte breitet sich in den Bauernkriegen erfolgreich aus.

    So lauten die Zwölf Artikel

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    Kramerzunft in Memmingen mit Fresko der 12 Artikel
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    Gregor Lengler

    Kein Buch, keine Veröffentlichung kommt ohne das Fassadenbild der Kramerzunft aus, hier wurden die Zwölf Artikel niedergeschrieben.

    Die Predigerbibliothek in Isny

    Original erhalten aus dem Jahr 1462: Wie die Unzufriedenheit wächst und der Versuch, die Bedingungen zu verändern, zeigt die Predigerbibliothek inmitten des mittelalterlichen Ovals in Isny mit über 500 Jahre alten Schriften.

    Mittelalterliche Predigerbibliothek
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    Thomas Gretler

    Ein Besuch in der Bibliothek mit Blick in die jahrhundertealten Bücher ist einzigartig.

    Die Waldburg – Stammsitz des Truchsess Georg von Waldburg

    Die Waldburg ist das Stammhaus von Georg Truchsess von Waldburg, genannt Bauernjörg. Er zog gegen die Aufständischen in den Kampf und besiegte sie schließlich.

    Die Burg wurde nie zerstört und beherbergt heute eine museale Erlebniswelt. Hier wurden einst die Reichsinsignien aufbewahrt und die erste Karte mit einem Kontinent namens „America” angefertigt.

    Die Waldburg auf einem grünen Hügel
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    Max Haller

    Die Waldburg thront auf einem Hügel über der gleichnamigen Gemeinde.

    Das Zumsteinhaus – Kempten

    Das Zumsteinhaus ist ein Ausgangspunkt für Informationen und einen Rundgang zum Thema in Kempten. Nach dem Aufstand manifestierte sich in Kempten die auffällige Doppelstadt, die auch heute noch im Stadtbild erkennbar ist: die katholische Residenzstadt und die evangelische Reichsstadt. 

    Historische Darstellung des Bauernkriegs bei Kempten
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    Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig

    Diese Darstellung der Ereignisse bei Kempten gibt es im Zumsteinhaus zu sehen.

    St. Blasius-Kirche – Kaufbeuren

    Zwischen Kempten und Kaufbeuren liegen Leubas und Haldenwang – dort befand sich das letzte große Schlachtfeld des Bauernkriegs. Die Blasius-Kirche in Kaufbeuren ist die einzig erhaltene Wehrkirche in Bayern aus dieser Zeit. Sie ist mit einer bildhaften Darstellung des Lebens im 15. Jahrhundert besonders interessant. Im nahen Kloster Irsee und im Kloster St. Mang in Füssen an der Via Claudia wurden Verträge geschlossen. Die Heimatpflege Ostallgäu hat ein Buch herausgegeben, das das Geschehen nachzeichnet.

    Bilder in der Blasiuskirche in Kaufbeuren
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    Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig

    Auf den Bildern in der Blasiuskirche gibt es viele Details zu entdecken.

    Die Zeitzeugin – Bauernhaus-Museum Wolfegg

    Das Museum zeigt die württembergische Sonderausstellung in der historischen Zehntscheuer des Klosters Weißenau – eine Zeitzeugin, die in der Chronik der Ereignisse von Abt Murer abgebildet ist. Die Ausstellung führt zurück und durch fünfhundert Jahre Vergangenheit, zeigt die Lebensumstände und Beweggründe der Bauern und fordert auf, sich den universellen Fragen über die Ursachen von Gewalt oder den Wert der Freiheit zu stellen.

    Faksimile von Jakob Murers Weissenauer Chronik des Bauernkrieges
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    Bauernhaus-Museum Wolfegg, Kloster Weißenau

    Das Faksimile von Jakob Murers Weißenauer Chronik des Bauernkrieges ist in der Sonderausstellung zu sehen.

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